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Brandschutzerziehung:
Elementarstufe (bis 7 Jahre)
Dieser Grundbaustein ist für die
Elementarstufe (Kindergarten und Vorschule) konzipiert und beschäftigt sich mit
den folgenden Inhalten:
-
Richtiger Umgang mit Zündmitteln
(Schwerpunkt Streichhölzer)
-
Richtiges Verhalten bei einem
Brand
-
Alarmierung der Feuerwehr über
Telefon
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Erkennen des zwiespältigen
Charakters des Feuers
Zur
lernpsychologischen Situation der Altersstufe
Lernen ist eine Veränderung unseres Verhaltens, das durch äußere Reize der
Umwelt verursacht wird. Ein Beispiel: Ein Kind verbrennt sich an einer heißen
Herdplatte. Auf diese Weise lernt es, nicht leichtsinnig die Hand auf einen Herd
zu legen, es hat gelernt, dass eine solche Handlung Schmerz verursacht und wird
versuchen, sie in Zukunft zu vermeiden. Um allerdings lernen zu können, sind
bestimmte Reifevoraussetzungen nötig. Um auf unser Beispiel zurückzukommen: Ein
Kind muss bereits eine logische Folge erkennen können, es muss eine sog.
wenn - dann Beziehung begreifen können. Wenn ich die Hand auf die heiße Herdplatte
lege, dann verbrenne ich mich.
Zu einem Lernprozess gehören unbedingt:
-
Einsicht in die Situation bzw.
das Erkennen der Situation,
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Die Erfahrung, die bereits in
den nun ablaufenden Lernprozess eingebracht wird
-
Das Behalten des neu Gelernten,
denn nur dann hat man gelernt, wenn man das Gelernte später wieder aus dem
Gedächtnis abrufen und erneut anwenden kann,
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das Üben, denn nur durch stete
Wiederholung prägt sich das Gelernte ein und kann im Bedarfsfall schnell
abgerufen bzw. der neuen Situation angepasst werden.
Dabei muss das Lernen nicht immer
gezielt in Lernsituationen (Schule, Beruf) ablaufen. Den größten Teil unserer
Erfahrungen verdanken wir unbewussten Lernprozessen (z.B. der Erwerb der
Muttersprache). Hier spielt das Vorbild des Lehrenden, das stete Nachahmen des
Lernenden eine sehr wichtige Rolle.
Was bedeutet das nun bezogen auf die Altersstufe der Vier- bis Sechsjährigen?
Im Vorschulalter erweitern die Kinder stetig ihren Erfahrungsraum, lernen ihre
Umwelt kennen und versuchen, diese gedanklich zu durchdringen. Dabei spielt die
visuelle Erfahrung eine große Rolle. Kinder sehen in Bildern, ihre Erfahrung ist
ganzheitlich, sie sind noch nicht fähig, ein Gesamtgeschehnis in Einzelschritte
zu zerlegen und zu analysieren. In ihrem Denken vermischen sich Phantasie und
Wirklichkeit, oft werden Erlebnisse noch einmal in Fiktions- oder
Funktionsspielen nachvollzogen (z.B. Mutter-Kind Spiele). Kinder in diesem Alter
beobachten sehr genau und behalten wesentliche Verhaltensweisen, die sie dann im
Spiel verinnerlichen.
Im Alter von 4 bis 5 Jahren beginnt das Kind, in Analogien zu denken. Beispiel:
Damals habe ich mich verbrannt, als ich die Hand auf die heiße Herdplatte legte.
Vielleicht passiert das jetzt wieder. Das Kind ist in der Lage, gedankliche
Lösungen vorwegzunehmen. Hinzu kommt, dass jetzt vermehrt das so genannte
Zweckdenken in den Vordergrund tritt. Die allgemein bekannten "warum-Fragen",
die Erwachsenen oft auf die Nerven gehen, sind eigentlich "wozu-Fragen". Wenn
ein Kind fragt: "Warum ist das Bügeleisen so heiß?" meint es eigentlich: "Wozu
ist das Bügeleisen so heiß?" und die Antwort lautet: "Das Bügeleisen ist so
heiß, damit die Wäsche schön glatt gebügelt werden kann".
Das Kindergartenkind verfügt nur über einen sehr begrenzten Wortschatz von ca.
2000 Worten. Dementsprechend kann es sich nicht sehr exakt und differenziert
ausdrücken. Dafür ist die Aufnahme komplexer Vorgänge über die bildliche
Wahrnehmung sehr viel weiter ausgeprägt. Deswegen muss in dieser Altersstufe
schwerpunktmäßig mit Bildern und Symbolen gearbeitet werden und bezüglich
verbaler Äußerungen des Kindes muss sehr viel Rücksicht auf den oben
beschriebenen Sachverhalt genommen werden. Insbesondere sind die komplexen
Gedankengänge der Kinder durch gegebenenfalls mehrmaliges Nachfragen in
Erfahrung zu bringen, damit das Kind nicht für sich enttäuschende Antworten
erhält.
Zusammenfassend sei gesagt:
Kinder im Vorschulalter beobachten sehr genau, sie ahmen gerne nach, verarbeiten
Erlebnisse im Spiel und lernen so richtige Verhaltensweisen. Sie erfassen mit
Bildern illustrierte Geschichten oder sehr kurz und einfach geschilderte
Erlebnisse und sind in der Lage, gedanklich Lösungsmöglichkeiten vorwegzunehmen.
Sie prägen sich Merksätze o. ä. über das Bild ein und können diese so besser
behalten. Eigene Erlebnisse und Erfahrungen können sie erzählen und einfache
Schlussfolgerungen für ihr zukünftiges Verhalten in einem ähnlichen Fall ziehen.
Auf unsere Lerneinheit bezogen bedeutet das folgendes:
- Erst im handelnden Umgang mit
Zündmitteln (in diesem Fall mit dem Streichholz) lernen die Kinder
den sachgemäßen Umgang mit diesen.
Sie lernen durch Beobachtung des Vorbildes (Pädagogen) und durch
aktives Nachahmen.
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- Mit Hilfe von Rollenspielen
(Fiktionsspielen) vollziehen die Kinder selbst mögliche und richtige
Handlungsweisen. (z.B. Ich muss kriechen, weil ich sonst keine Luft
kriege vor lauter Rauch.)
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- Durch stetes Wiederholen und
nachahmendes Üben können diese Verhaltensweisen eintrainiert werden.
Es hat sich herausgestellt, dass die Vorschulkinder auch gerne ohne
ausdrückliche Aufforderung Rollenspiele wie Alarmierung der
Feuerwehr spielen und sich dabei auch gegenseitig korrigieren.
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- Mit Hilfe von Bildergeschichten,
Bildern und Symbolen kann das Gelernte auch über das Auge vertieft
und gefestigt werden.
Wichtig bleibt dabei, dass das Lernen stets im Erfahrungsbereich der
Kinder erfolgen muss und das bedeutet: Keine komplizierten,
langatmigen Erklärungen, sondern lieber kleine einprägsame
Geschichten.
Berücksichtigt werden sollte immer auch der noch vergleichsweise
geringe Wortschatz der Kinder und der einfache Satzbau.
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Als hilfreich erweist sich in diesem
Bereich des Lernens oft die Hilfe einer Handpuppe, die zwar auch Fehler macht,
aber immer bereit ist, den Kindern bei ihren Problemlösungen zu helfen (z.B. der
Verkehrskasper). Eine Handpuppe ist nicht direkt ein übermächtiger Erwachsener,
hat also nähere Verbindung zum Kind, ist auch in vielem wie ein Kind, doch in
bestimmten Bereichen erweist sich diese Puppe als Fachmann und als solcher ist
sie in der Lage, dem Kind beizustehen. Aus diesem Grunde wurde für den Bereich
der Brandschutzerziehung die Handpuppe "Funki" geschaffen, zu der es auch
Malbücher und Geschichten gibt.
Zur Didaktik und Methodik
Schon auf Kleinkinder übt Feuer eine Faszination aus, die Kinder verleitet, sich
über alle Verbote hinwegzusetzen. Daher müssen sich Kindergärten und Schule
bemühen, Kinder zum sicheren und verantwortungsbewussten Umgang mit dem Feuer zu
erziehen.
Die vfdb-Konzeption wendet sich sowohl an Kindergärten als auch an
Vorschulklassen. Es wird versuchen, auch die besonderen Probleme von
Kindergartengruppen zu berücksichtigen, deren Alterszusammensetzung nicht
homogen ist (z.B. sog. Familiengruppen).
Den Kindern soll folgendes nahe gebracht werden:
-
Feuer kann Schaden und Schmerzen
verursachen.
-
Mache nie allein Feuer, auch
wenn du Gelegenheit dazu hast.
-
Wenn du Feuer machen willst,
bitte einen Erwachsenen, dabei zu sein.
-
Lasse dich nie durch Freunde zum
Feuermachen verführen.
Überwiegend zeigen kleine Kinder
große Angst vor Feuer. Sie wissen, dass Feuer gefährlich ist. Die Schmerzen
einer Verbrennung kennen sie meist aus eigener Erfahrung. Viele Eltern verbieten
ihren Kindern auch heute noch strikt, Streichhölzer oder Feuerzeuge zu benutzen,
um z.B. eine Geburtstagskerze anzuzünden. Dieses Verhalten führt zu einer
Tabuisierung und macht die Kinder gegenüber dem Feuer hilflos. Unser Ziel soll
es sein, die Angst beim Umgang mit Zündmitteln und Feuer abzubauen. Hierzu muss
in unterschiedlicher Weise vorgegangen werden:
Einmal muss während der Brandschutzerziehung der Umgang mit Zündmitteln intensiv
geübt werden. Die Kinder müssen erkennen, dass Feuer bei genügender Sorgfalt
beherrschbar ist, sie also keine Angst zu haben brauchen. Es ist unbedingt
erforderlich, dass jedes Kind mehrere Male selbst ein Streichholz unter Aufsicht
anzündet. Nur dann kann die Angstschwelle überwunden werden.
Zum anderen muss zu diesem Thema intensive Elternarbeit geleistet werden. Nur
wenn Pädagogen und Eltern "am gleichen Strang ziehen", besteht Aussicht, die
Kinder im Umgang mit Feuer sicherer zu machen.
Deshalb, muss die Brandschutzerziehung vor Beginn zum Thema eines Elternabends
gemacht werden. Die Eltern sind über die Ziele zu informieren und sollten
gebeten werden, auch zu Hause mit ihrem Kind den Umgang mit Zündmitteln zu üben.
Es ist fast unmöglich, sinnvolle Brandschutzerziehung gegen den Willen der
Eltern zu betreiben, denn Kinder verstehen nicht, dass z.B. die Kindergärtnerin
das Entzünden eines Streichholzes unter Aufsicht erlaubt, die Mutter dagegen
dieses strikt verbietet.
Im Rahmen des Elternabends ist auch auf die juristische Seite der
Brandschutzerziehung, nämlich die Wahrnehmung der Aufsichtspflicht, hinzuweisen.
Es ist den Eltern ins Gedächtnis zu rufen, dass sie in der Regel für verursachte
Schäden an Sachen bzw. Personen, die ihre Kinder verursacht haben, haften.
Ein weiterer Punkt ist der Hinweis, dass durch gezieltes Üben im Umgang mit
Zündmitteln Angst abgebaut werden kann und so panische Reaktionen vermieden
werden, wie z.B. das Wegwerfen des brennenden Streichholzes.
Beim Umgang mit Zündmitteln und Feuer müssen sich alle immer strikt an die
Sicherheitsregeln halten, da ein Kind am besten durch das Vorbild lernt. Auf
folgende Vorsichtsmaßnahmen ist unbedingt zu achten:
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Der Pädagoge hat für eine ruhige
Lernatmosphäre zu sorgen, um Gefahren zu vermeiden, die durch Unachtsamkeit
der Kinder entstehen können.
-
Er muss streng darauf achten,
dass die Kinder seine Anweisungen befolgen, und er muss jedes "Kokeln"
konsequent unterbinden.
-
Der Pädagoge muss ständig im
Gruppen- bzw. Klassenraum anwesend sein. Bevor er den Raum verlässt, muss er
sicherstellen, dass alle Flammen und Glut gelöscht sind und sich keine
Zündmittel mehr in den Händen der Kinder befinden.
-
Während der Arbeit mit
brennbaren Stoffen und Zündmitteln müssen eine Löschdecke und ein Eimer mit
Wasser griffbereit sein. Im Wasser sollte ein Lappen liegen, mit dem
mögliche kleine Brände sofort ausgeschlagen werden können.
Das vfdb-Konzept gliedert sich in
vier Abschnitte mit folgendem Inhalte:
-
Erkennen des Doppelcharakters
von Feuer
· Feuer ist hell, warm, freundlich und gemütlich.
· Feuer kann auch heiß, verletzend, schädlich und sehr gefährlich sein.
Bildquelle: Paulichen
e.V.
In diesem Abschnitt wird den
Kindern deutlich gemacht, in welchen Bereichen unserer Umgebung wir
überhaupt mit Feuer in Berührung kommen bzw. wo wir Brandgefahren begegnen,
ohne dass sie offensichtlich als solche gleich zu erkennen sind (z.B.
Heizlüfter, elektrischer Herd, Gasherd etc.) Wärme bzw. Feuer kann sehr
nützlich sein, aber im Umgang damit sollte man immer wachsam bleiben.
Die Stellung dieses Abschnittes innerhalb der Lerneinheit ist beliebig, d.h.
dieser Abschnitt kann als Einstieg in das Thema dienen oder als Einschub
zwischen den anderen Abschnitten eingeordnet werden.
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Richtiger Umgang mit
Zündmitteln
· Erkennen eines funktionsfähigen Streichholzes
· Richtiges Anzünden eines Streichholzes
· Richtiges Entzünden einer Kerze
· Richtige Benutzung eines Gasfeuerzeuges

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Richtiges Verhalten bei Brand
· Sofortiges Verlassen des Brandraumes / der Brandstelle
· Türen des Brandraumes schließen
· sich in verrauchten Räumen nur kriechend fortbewegen
· auf die Feuerwehr vor dem Haus warten.
Die Verhaltensregel: Rette, wenn möglich, gefährdete Personen! sollte nicht
ausdrücklich gelehrt werden. Kinder in diesem Alter überschätzen häufig ihre
Fähigkeiten bzw. unterschätzen die Gefahr. Es ist wichtig, darauf
hinzuweisen, dass sie sich so schnell wie möglich in Sicherheit bringen und
auf keinen Fall etwas mitzunehmen versuchen. Kinder neigen dazu, ihr
Lieblingsspielzeug (Teddy, Puppe) oder ein Tier noch schnell retten zu
wollen, ohne sich bewusst zu machen , dass jede Sekunde bei der Flucht
kostbar ist. Sie können sich so in große Gefahr begeben. Sollte die oben
genannte Verhaltensmassregel von den Kindern angesprochen werden, so ist
diese als richtig und gut anzuerkennen. Die Kinder sollten aber keinesfalls
dazu aufgefordert werden. Im Vordergrund sollte die Rettung ihres eigenen
Lebens stehen.
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Alarmierung der Feuerwehr über
Notruf-Telefon 112
· Wer - meldet?
· Wo - ist etwas geschehen?
· Was - ist geschehen?
· Wie - sieht es jetzt aus?
· Warten - warte ab, ob der Feuerwehrmann, mit dem du telefonierst,
noch was fragt oder sagt.

Der Besuch einer Feuerwehr sollte
nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn ein Feuerwehrangehöriger zuvor eine
Kontaktaufnahmestunde, z.B. mit dem Thema "Alarmierung der Feuerwehr",
durchgeführt hat und dann beim Besuch der Feuerwehr eine intensive Darstellung
des Einsatzablaufes und nicht nur eine Fahrzeugschau erfolgt. Hierzu sind
weitere Feuerwehrangehörige als Darsteller erforderlich.
Wichtig für die Durchführung sind viele verschiedene Methodenwechsel, um das
Thema immer wieder von einer anderen Seite her den Kindern motivierend nahe zu
bringen. Der Einübung eines sicherheitsbewussten Verhaltens dienen das Gespräch,
das Experiment (z.B. das Entzünden einer Kerze) und Rollenspiele (Verhalten bei
einem Brand, Alarmierung der Feuerwehr). Der Umgang mit Zündmitteln und das
Verhalten bei einem Brand sollten so intensiv geübt werden, dass dieses Wissen
wenigstens z.T. verinnerlicht wird, so dass zu erwarten steht, dass die Kinder
auch in gefährlichen, konkreten Situationen voraussichtlich richtig handeln
werden.
Die ausführliche
Beschreibung der Lerneinheiten (Ziel, Unterrichtsverlauf und Lernhilfen)
erhalten Sie im vfdb-Heft "Brandschutzerziehung - Elementarstufe" von Günter und
Gryta Julga, dass Sie in unserem
Bestellshop
ordern können.
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