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Forum Brandschutzerziehung und -aufklärung 2002 in Kassel

Praxisnaher Erfahrungsaustausch beim »Forum Brandschutzerziehung«

Alle, die rund um das Thema »Brandschutzerziehung« etwas zu sagen hatten oder etwas erfahren wollten, waren beim  »Forum Brand­schutzerziehung und -aufklärung« an der richtigen Adresse. Die Eineinhalbtagesveranstaltung wurde gemeinsam vom Deutschen Feuerwehrverband (DFV) und der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) am zweiten Novemberwochenende durchgeführt. Rund 150 Teilnehmer fanden den Weg in die Hessische Landesfeuerwehrschule (HLFS) in Kassel, um sich für die Arbeit an der Basis – von Kids bis hin zu Senioren – viele gute Ideen zu holen oder eigene Konzepte vorzustellen. »Wir sind mit der Resonanz auf unsere diesjährige Veranstaltung sehr zufrieden«, bilanzierten Vizepäsident Ralf Ackermann für den DFV und Dr. Volker Meyer als verantwortlicher Referatsleiter der vfdb. 

Bevor das Forum seine Arbeit aufnahm, hatten die Veranstalter zu einer Pressekonferenz eingeladen. Diese stieß bei den Medienvertretern auf positive Resonanz, sicherlich auch vor dem Hintergrund, dass in der gleichen Woche der tragische Tod von Menschen bei dem Schlafwagenbrand in Frankreich zu beklagen gewesen war. Entsprechende Nachfragen seitens der Journalisten belegten dies.

Dr. V. Meyer erläuterte bezüglich des eigentlichen Tagungsthemas einen Teilaspekt der Veranstaltung: »Wir wollen den Stellenwert der Brandschutzerziehung – auch im politischen Raum – erhöhen.« Besonders wies er auf das  während  des Forums vorgestellte Konzept zur Brandschutzaufklärung bei Senioren hin. Gerade mit Blick auf die Alterspyramide sei es von besonderer Bedeutung, auch diese Bevölkerungsgruppe verstärkt zu berücksichtigen. In die gleiche Richtung ziele die jetzt ins Auge gefasste Brandschutzaufklärung in Krankenhäusern. »Gerade die Menschen mit eingeschränkter Mobilität  bedürfen der besonderen Vorsorge«, erklärte der vfdb-Referatsleiter.

R. Ackermann stellte heraus, dass Kinder bereits ab dem Alter von drei Jahren – also während der Kindergartenzeit –  in die Brandschutzerziehung eingebunden werden sollten. Neben der Vorstellung neuer Konzepte erwarte er sich vor allem auch deren praktische und zeitnahe Umsetzung an der Basis. Auch plädierte der Vizepräsident abermals: »Die Brandschutzerziehung muss den gleichen Stellenwert wie die Verkehrserziehung in den Rahmenrichtlinen der Kultusministerien erhalten!«

Beide Veranwortlichen dankten der HLFS für die praktische und der SV Sparkassenversicherung Hessen-Nassau-Thüringen für die finanzielle Unterstützung des Forums, das von 18 Referenten aus Deutschland und einer Referentin aus Frankreich bestritten wurde.

Unterschiedliche Konzepte vorgestellt

Der erste Halbtag stand im Zeichen der Vorstellung von bewährten und erprobten Konzepten, bei denen die Teilnehmer zahlreiche Informationen mitnehmen und gedanklich prüfen konnten, inwieweit sich diese Vorgehensweise in ihrem Verantwortungsbereich umsetzen ließ. Exemplarisch für das Bundesland Hessen berichteten Hans Hermann Müller über das Konzept der Brandschutzerziehung der Feuerwehr Frankfurt (Main) und Helga Mänken für den Landesfeuerwehrverband über die Brandschutzerziehung in hessischen Grundschulen. Dabei gab es auch viele praxisnahe Tipps.

Über Brandschutz- und Sicherheitserziehung in Thüringen berichtete Jens Schneider vom Landesfeuerwehrverband dieses Bundeslandes. Dabei stellte er heraus, dass die Handlungsanleitungen für die Schulkinder über die reine Brandschutzaufklärung auch weitere Notfälle des Alltags berücksichtigen.

Die Aufgaben des Schulklassenbetreuers in Niedersachsen stellte Thomas Reimer  (LFV Niedersachsen) vor. Der Redner berichtete, dass sein Bundesland auf eine dreizehnjährige Erfahrung zu diesem Thema zurückblicken könne. Derzeit existierten rd. 800 Schulklassenbetreuer – also Feuerwehrfrauen und -männer –, die sich dem Thema Brandschutzerziehung verschrieben haben. Auch konnte T. Reimer von einer steigenden Tendenz berichten, wenn es darum gehe, neue Klassenbetreuer zu aktivieren.

Wie eine mögliche Statistik zur Brandschutzerziehung und -aufklärung aussehen könnte, die die wesentlichen Daten von der Ortswehr bis zum Landesverband erfasst, stellte Peter Kleinjung von Feuerwehr Neumünster vor. Er plädierte für eine einheitliche Datenerhebung sowie eine vergleichbare Auswertung.

Ein Blick über die Grenze

Einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus – in diesem Fall über die deutsche Grenze hinweg gen Frankreich – erlaubte der Vortrag von Mademoiselle Annick Wiest aus Colmar. Sie ist in der Präfektur Oberrhein im Referat Zivilverteidigung/ Katastrophenschutz tätig. Und dieser Blick gestaltete sich überaus informativ. Denn er zeigte auf, dass unser Nachbarland im Bereich der Brandschutzerziehung einen weitergehenden und ganzheitlichen Ansatz verfolgt. Der Vortrag trug deshalb auch den Titel »Sicherheitserziehung im Departement Oberrhein«.

Die französischen Behörden verstehen unter Sicherheitserziehung die Vorabinformation ihrer Bevölkerung sowohl für den Fall eines Brandes als auch als Vorbereitung auf weitere Risiken. Diese Dinge sind gesetzlich geregelt und sehen die Gründung einer Informationsgruppe in jedem Departement vor.

Im Rahmen der Brandschutzerziehung lernen die Kinder das richtige Verhalten im Falle eines Brandes. Unterstützt wird die theoretische Unterweisung durch Räumungsübungen, von denen drei je Jahr vorgesehen sind.

Ziel sei es, so die Rednerin, eine »Kultur des Risikos« zu schaffen, also eine Sensibilisierung breiter Bevölkerungskreise für die Belange des Katastrophenschutzes. Dies will man im ersten Schritt durch pädagogische Mittel, durch eine Ausbildergruppe und  durch die Erarbeitung von Schulsicherheitsplänen erreichen.

Am Beispiel ihres Departements »Haut-Rhin« konnte A. Wiest eine erste Bilanz der im September 2001 gestarteten Aktivitäten ziehen. Demnach hat eine 20köpfige Ausbildergruppe (Lehrer, Katastrophenschützer, Feuerwehrangehörige) bezüglich der Risikokenntnisse 150 Menschen informiert und die Schutzplanung 120 Männern und Frauen aus allen Schulformen vorgestellt.

Das französische Konzept beschränkt sich allerdings nicht alleine auf den Bereich Brandschutz, sondern informiert auch über das richtige Verhalten bei einem Erdbeben, bei einem Chemieunfall oder einem drohenden Schadensereignis in einem Kernkraftwerk.

Aktuell sind die französischen Fachleute mit der Erarbeitung eines Schulsicherheitsplanes beschäftigt, da seit Mai 2002 eine »innere Abwehrplanung« auf Grund gesetzlicher Vorgaben erstellt werden muss. Derzeit verfügt Frankreich bereits über 500 qualifizierte Ausbilder. Ziel ist es, 3000 Menschen in diese Aufgabe einzubinden. Als Unterrichtsmaterial stehen Lehrern und Schülern attraktiv gestaltete, farbige Broschüren und Bücher zur Verfügung.

Auch wird die Transparenz des Systems und die Öffentlichkeitsarbeit groß geschrieben: Auf der Internetseite des französischen Umweltministeriums sind alle Gemeinden mit ihren speziellen Risiken aufgelistet und die Gegenmaßnahmen »im Falle eines Falles« dargestellt!

Theoretischer Hintergrund und praxisnahe Vorführungen

Der zweite Forumstag stand im Zeichen von Parallelveranstaltungen, die den unterschiedlichen Interessenslagen gerecht wurden und auch zahlreiche Praxisbeispiele enthielten. Bei den Vorträgen bildete die Brandschutzaufklärung in Krankenhäusern einen Schwerpunkt. Über die Brandschutzausbildung im Klinikum Fürth referierte  Siegfried Volz, der den Lesern dieser Fachzeitschrift aus zahlreichen Fachbeiträgen zum Thema Brandschutzerziehung bestens bekannt ist. Das Konzept des Klinikums Darmstadt im Rahmen der ganzheitlichen Ausbildung stellte Holger Sincl, Brandschutzbeauftragter in dieser Einrichtung, vor.

Unter dem Themenbereich der allgemeinen Brandschutzaufklärung stand die Vorstellung des Leitfadens »Brandschutz für Senioren« durch Frau Jutta Kroneberger vom vfdb-Referat 12. Über die Aktivitäten der Berliner Feuerwehr zum Thema »Rauchmelder retten Leben – Tipps für die Feuerwehr« berichtete Branddirektor Frieder Kircher. Die neuesten Entwicklungen bei der Anwendungsnorm für Rauchmelder (DIN 14676) stellte Bodo Aertel – ebenfalls vom vfdb-Referat 12 – vor.

Im parallel laufenden praktischen Teil konnte man erfahrenen Puppenspielern »über die Schulter schauen«. Dazu zählte auch ein Rückblick auf fünf Jahre Brandschutzerziehung mit einem Brandschutzkaspertheater der JF Wuppertal-Ronsfeld durch  Christoph Henne einschließlich einer Kostprobe. Daneben konnte man sich auch die weiteren Varianten zur Brandschutzerziehung anschauen, nämlich Klappmaultheater (Dirk Haats, Hildesheim), Personentheater (Wolfgang Müller, Eystrup) sowie Puppentheater (Karla Weißfinger, Boffzen).

Bei den elektronischen Medien wurden ebenfalls zwei Neuerscheinungen vorgestellt. Die Feuerwehr Rüsselsheim präsentierte ein selbsterstelltes Video »Brandschutztipps für Kids« und die Aktion »Rauchmelder retten Leben« konnte mit einem Highlight aufwarten: Denn bei der Neuverfilmung des Kästner-Klassikers »Das fliegende Klassenzimmer« bestimmt ein Rauchmelder die Schlüsselszene. Im Film setzen Kinder gleich eine ganze Aula in Brand. Ein Rauchmelder an der Decke kann das Schlimmste  gerade noch verhindern. »Alle deutschen Feuerwehren können die zweiminütige Kinosequenz für ihre Brandschutzerziehung nutzen«, erklärte Claudia Groetschel von der Berliner Agentur eon Marketing Design, die die Rauchmelder-Initiative betreut. Die Filmsequenz steht als Download zur Verfügung unter: www.rrl-insiders.de

(-fe-)

Die Ergebnis des Forums werden in Form einer CD-ROM Anfang nächsten Jahres zur Verfügung gestellt. Auch Diejenigen, die leider nicht teilnehmen konnten, können die CD-ROM bei der Geschäftsstelle der vfdb bestellen.

Dipl.-Ing. (FH) Günter Fenchel, Fachjournalist,

Redaktionsbüro Fenchel im Auftrage des DFV
 

 

 

 

 

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